Überblick über die Vergangenheit Syvänniemis 
                                           

 Auf dem Gebiet rund um den See Kuttajärvi gab es schon im 16. Jhd. Siedler. Das sollte nicht verwunderlich sein. Der See war schön und fischreich. Es gab auch genügend Wild und dichte Wälder zum Roden. Es bestanden gute Wasserverbindungen nach Rautalampi sowie eine kurze Landverbindung, die zum anderen grossen See führte, dem Kallavesi.

Die Lappen zogen weiter nach Norden aufgrund der aus dem Osten und Süden einfallenden Plünderern. Schweden und Novgorod begannen ihr Herschaftsgebiet in das dünn besiedelte Savogebiet auszudehnen, in dem noch hauptsächlich Wildnis vorherrschte. Letztendlich fiel das Gebiet um Karttula unter schwedische Herrschaft, was aber keineswegs bedeutete, dass über die Gebietsbesitzansprüche entschieden gewesen wäre. Der König hatte eine schwierige Streitfrage zu lösen, ob die Wildniss weiterhin den Hämeern zusteht, oder ob es denen zugesprochen wird, welche anfangen das Land dort zu bestellen. Um die blutigen Auseinandersetzungen zu beenden, gab Gustaf Vaasa schliesslich die Erlaubnis sich in der Wildnis niederzulassen. So bekam Karttula Ende des 15. Jhd. eine feste Einwohnerschaft aus Richtung Juva.( Dorf in Südsavo )

Syvänniemi wuchs an Einwohner wie andere Dörfer auch. Aber die Entwicklung dieses kleinen Dorfes begann sich in eine andere Richtung zu entwickeln als bei anderen entsprechenden kleinen Dörfern. Durch die Industrialisierung ging es in eine eigene einzigartige Richtung
 

  Die dampfbetriebene Säge mit Blick von Kuttajärvi
 

Das Getreide musste auch gemahlen werden. Der Fluss Keihäsjoki führte genügend Wasser, um eine Mühle anzutreiben. Als dann auch noch die „Krone“ ( die schwedische Verwaltung) die Zustimmung gab,  begann die eigene Geschichte von Syvänniemi. 

Die Mühle stand an einem günstigen Platz mit fliessendem Wasser das ganze Jahr über. Die Stromschnelle war in der Nähe des Seeufers, wo Boote nahe an der Mühle anlegen konnten.. 

So nahm die Entwicklung seinen Lauf. Von Syvänniemi aus gab es die kürzeste Verbindung in das Landeszentrum von Savo, nach Kuopio. Die Verkehrsverbindungen fingen an sich so zu gestalten, wie sie heutzutage sind. Syvänniemi lag entlang der Postverbindung. Für die Reisenden gab es im Dorf eine Poststation. Syvänniemi entwickelte sich zu einem Handelsplatz und mit diesem kamen auch Händler und Hausierer. Für die Passanten und für die Ortsansässigen wurden verschiedenartige Dienstleistungen benötigt, wie Schmied und Schuhmacher. 
 


Die Kaufmannsfamielie P.A. Lyytikäinen



Die Belegschaft der Garnrollenfabrik

Die günstige Entwicklung wurde viele Male durch Hungerperioden und Kriege unterbrochen. Mit dem finnischen Krieg 1808 schwand die Macht Schwedens.
 

Auch kleinere Siege waren für die zurückweichende Armee wichtig. Eine solche Meldung gab es auch in Syvänniemi zu berichten. Einem Trupp einheimischer Soldaten gelang es an der Poststation am „Löttökoski“ eine russische Patrolie zu überwältigen. Auf dem Gelände des Pfarrhofes erinnert ein Gedenkstein an den Kampf und neben der karelisch-orthodoxen Kapelle steht ein Holzkreuz zum Gedenken an die gefallenen russischen Soldaten. 

Einen grösseren industriellen Schub erfuhr Syvänniemi im Jahr 1862, als Rosenius & Sesemann ein dampfbetriebenes Sägewerk gründeten. In ihr fanden ca. 50 Männer Arbeit. Die Säge wurde von einer 38 PS starken Dampfmaschine angetrieben. In guten Jahren wurden 70 000 Baumstämme verarbeitet. Das ist auch nach heutigen Massstäben eine beträchtliche Anzahl von Brettern.. Das Sägewerk ging 1885 in Konkurs und wurde von den angesehenen Geschäftsleuten Hallman, Möller und Saastamoinen aus Kuopio übernommen. Die Säge wurde annähernd wie früher weiterbetrieben.

Es wurden Birkenstöcke produziert, die als Ausgangsmaterial für Garnrollen dienten, welche bis nach Petersburg transportiert wurden. Herman Saastamoinen erkannte auf seinen Geschäftsreisen, um wie viel mehr Gewinn aus Rollen zu machen ist. Das Sägewerk wurde zu einer Rollenfabrik umgebaut. Die Fabrik beschäftigte zu ihren besten Zeiten an die 300 Beschäftigte.
 

Die Garnrollenfabrik von Syvänniemi
 

Die Eisenhütte von Souru

Wesentlich zur industriellen Geschichte Syvänniemis trägt auch die Eisenhütte Souru bei. Die Eisenproduktion begann im Jahre 1868. Die Fabrik beschäftigte zur Blütezeit 160 Personen. Zusätzlich wurde eine grosse Anzahl von Leuten benötigt, damit die Fabrik am Laufen blieb. Eisenerz wurde bis vom See Pielavesi herangeschafft. Für den Produktionsablauf wurde viel Holzkohle benötigt. Bauern und Häusler der näheren Umgebung erlebten einen erheblichen wirtschaftlichen Aufschwung, da alle verfügbaren Lebensmittel und andere Produkte, welche von ihnen erzeugt wurden, mühelos and die Beschäftigten der Eisenhütte verkauft werden konnten. Denn die Arbeiter hatten nichts ausser ein paar kleinen Feldfleckchen, noch hatten alle Kühe. 

Das industrielle Zeitalter von Syvänniemi könnte weiter in Stichpunkten aufgezählt werden. Hier wurden über den eigenen Bedarf hinaus sowohl Ziegel, Holzkohle und Teer hergestellt sowie landwirtschaftliche Produkte, welche in einigen  grossen Gütern produziert wurden. In Keihäslahti war auch eine Schiffswerft angesiedelt. 

Die strukturellen Veränderungen  begannen im Jahr 1908, als die Eisenhütte die Eisenproduktion einstellte. Die Fabrik wurde wegen Unrentabilität geschlossen. Die verlorengegangenen Arbeitsplätze konnten aber kompensiert werden, da die Garnrollenfabrik noch ihre besten Jahre vor sich hatte. Die Arbeiterbelegschaft in der Rollenfabrik stieg bis an die 300 Beschäftigte.
 

Allgemein wird angenommen, dass in Syvänniemi im 19. Jhd., abseits der allgemeinen Entwicklung gelebt worden wäre. In Souru leuchteten die Gaslampen, die Strassenschilder waren auch auf russisch geschrieben. Nach Syvänniemi kam elektrisches Licht. Telefonverbindungen wurden nach Kuopio gehalten. Die Damen und Fräuleins unterhielten sich untereinander auf Schwedisch. Die Herren pflegten das Zusammensein im Cognac-Keller, von denen es zwei gab.

Facharbeiter kamen aus Russland und die Gilde der Meister war ziemlich international. Der geschäftliche Briefwechsel musste in allen wichtigen europäischen Sprachen gepflegt werden. Die englische Sprache hatte in diesem damaligen Europa noch keine herausragende Stellung.

Natürlich gab es auch die andere Seite des Dorflebens, das fleissige Volk. Der Lohn war gering und die Arbeit hart. Man ging aber allerlei Hobbys nach. Bei Abendveranstaltungen wurde getanzt und das eigene Orchester spielte dazu auf. Man trieb Sport, es gab Aufführungen und es wurde gesungen. Das Leben verlief auf bekannte Weise wie in einem geschützten Flussbett. Es wurde sogar schon befürchtet, dass es zu einem Rückgang in der Landwirtschaft kommt, da die Menschen die Arbeit und dem leichter verdienten Geld in der Eisenhütte und Rollenfabrik der landwirtschaftlichen Arbeit vorzog.


Der Skiclub von Syvänniemi

 
Die Leichtathleten von Syvänniemi

   

Kommerzienrat Saastamoinen war ein wohlwollender Arbeitgeber. Er finnanzierte für das Dorf eine Volksschule. Die Schule erring ein so gutes Niveau, dass selbst seine eigenen Kinder diese Schule besuchten. Er besorgte für das Orchester Musikinstrumente und gründete eine Bibliothek. Für die Arbeiter liess er Wohnungen bauen. Mit dem Schiff der Fabrik wurden auch unter Leitung der Eisenhütte Sommerfahrten organisiert. Auf den gewöhnlichen Flossausflügen wurden den Männern Tabak und Bier sowie Limonade für die Frauen gereicht. Für die Kinder wurden eigene Feste organisiert.
 

    Herman Saastamoinen
 

Die Familie von Herman Saastamoinen

Man muss der klugen Einstellung der Fabriksleitung  gegenüber den Beschäftigten sowie der Besonnenheit der Einflussreichen der Arbeiterschaft danken, so dass es zu keinerlei Klassenkämpfen in Syvänniemi kam.
Schon während des Krieges schickte Herman Saastamoinen seine Söhne und andere Repräsentanten neue Handelsrouten und Handelsverbindungen zu finden. Nachdem sich die Lage nach dem Krieg wieder beruhigt hatte, begann die Garnrollenfabrik schnell wieder zu laufen.


Die wirtschaftlich beste Zeit für die Fabrik in Syvänniemi war in den 20er Jahren. Unglücklicherweise brannte die Kirche in Karttula ab, was der gemeindlichen Abspaltung von Tervo Fahrt verschuf. Eine neue Kirche wurde in Syvänniemi gebaut, wo es eine grosse Einwohneranzahl gab und die Kirche befand sich nun in der Mitte einer kleiner gewordenen Gemeinde

Die Kirche wurde 1925 nach vielen ereignissreichen Streitigkeiten fertiggestellt. Das Pfarrhaus wurde 1927 in die Nähe der neuen Kirche verlegt. Nur 5 Jahre später nach diesen Ereignissen, wurde die Garnrollenfabrik aufgrund Unrentabilität geschlossen. Die Weltwirtschaftskrise. Das Entsetzen war gross. „Das Ende ist nahe“, sagten damals die Bewohner der Umgebung..

   

Kirchenbesucher auf ihrem Weg nach Hause


Das Leben ging weiter. Es war jedoch schwer nun seinen Lebensunterhalt in der Gemeinde zu verdienen. Der einzige grössere Arbeitgeber blieb das Landgut der Fabrik von Syvänniemi. Für die Viehzucht wurden viel Personal und für die Waldarbeit Männer benötigt.

 

Die Stallarbeiter des Hermannshof
 

Der Winter- und Fortsetzungskrieg änderten wieder alles. Viele Bewohner erhielten den Befehl in den Krieg zu ziehen.  Für alle in den Krieg Gezogenen steht ein Gedenkstein auf dem Gelände des Hermannshof. ( Gedenkend an alle lebend zurückgekommenen, an die Verwundeten und gestorbenen. ) Für die auf dem Friedhof beerdigten in den Kriegen Gefallenen steht ein Gedenkstein neben der evangelisch-lutherischen Kirche von Syvänniemi. Bei der karelisch-orthodoxen Kapelle steht eine Gedenktafel, welche an die Gefallenen aus Salmi in Karelien erinnert.

Während des Winterkrieges wurde das Gelände der Rollenfabrik als Gefangenenlager benutzt. Zu Zeiten des Fortsetzungskrieges diente es als Lager- und Reparaturwerkstatt von Kriegsmaterial.

Nach den beiden Kriegen kam zur 2. Aufschwungphase in Syvänniemi. In der Gemeinde Karttula wurden ca. 200 karelische Flüchtlingsfamilien angesiedelt. Ein grosser Teil davon kam nach Syvänniemi. Das Dorf kam wieder in Fahrt. Als bleibende Erinnerungen an diese Zeiten blieb die Kapelle und der orthodoxe Friedhof.

Die Strukturveränderung auf dem Lande war für die Entwicklung Syvänniemis nicht so günstig. Die grossen Ziegelbauten wurden aufgrund des Bedarfs für neue Bauten abgerissen. Die Blockhäuser wurden zum Teil abgebrannt, als Brennholz und für den Kohlenmeiler benutzt. Von den zahlreichen Wohnungen der Arbeiter der Eisenhütte und Rollenfabrik sind leider nur Erinnerungen und verschiedene Fotos erhalten.
 


Die Gaslaternen an der Dofstrasse und die Arbeiterwohnungen von Souru
 

Syvänniemi blieb jedoch deren wichtigsten Ressourcen erhalten, eine wunderschöne Natur und die fleissigen Einwohner. Die Entwicklung im Dorf geht weiter voran. Die aktiven und beschlagenen Dorfbewohner investierten und investieren viel Liebe und Arbeit in die dörfliche Entwicklung. Es lebt sich friedlich und entspannt. Es bietet vielseitige Freizeitaktivitäten und eine interessante Geschichte

Text: Erkki Taarasti   25.10.2004
Übersetzung: Alois Böhmisch

Bilder entnommen aus dem Buch
 KEIHÄSTAIVAL die historische Zeit in Syvänniemi, herausgegeben durch: Syvänniemen   historia ry